kopfzeilechronik_01.jpg

Chronik Kapitel


Chronik, Vorwort

An den Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe:
So spricht der Heilige ... Ich kenne deine Werke, und ich habe vor dir eine Türe geöffnet, die niemand mehr schliessen kann.
Du hast nur geringe Kraft, und dennoch hast du an meinem Wort festgehalten und meinen Namen nicht verleugnet.

Offenbarung des Johannes, Kap. 3,7-8

Vor nicht langer Zeit war ich zum Jahresempfang der Bürgermeisterin im Charlottenburger Rathaus eingeladen. Dort wurde ein Jubiläum gefeiert und zugleich eine neue Städtepartnerschaft feierlich begonnen. Das hat mich inspiriert. Ich schlage vor, daß wir in diesem Jahr - im Jubiläumsjahr - eine Städtepartnerschaft eingehen zwischen Berlin-Charlottenburg und Philadelphia, der Stadt in der Johannesoffenbarung, und zwischen unserer Gemeinde und der Christengemeinde dort. Wir können diese Partnerschaft nur in Gedanken eingehen, in unserer Phantasie, denn diese Stadt an der Straße von Sardes nach Kolossä, im Gebiet der heutigen Türkei gelegen, gibt es so nicht mehr. Es war eine eher unbedeutende und kleine Stadt, die am Rande eines breiten fruchtbaren Tales lag und wo eine ertragreiche Landwirtschaft das Einkommen der Bevölkerung sicherte - wenn es keine Erdbeben gab, und die gab es recht häufig. Sie zerstörten die Stadt mehr als einmal und mehr als einmal wurde sie wieder aufgebaut, mit ihren vielen Tempeln und ihrer großen Synagoge, die es dort gab. Dagegen war die christliche Gemeinde am Ort zahlenmäßig klein und wirtschaftlich schwach. Aber in vieler Hinsicht war diese Gemeinde dennoch vorbildlich, so daß sie nicht nur in der Offenbarung des Johannes lobend erwähnt wird, sondern auch der Bischof Ignatius von Antiochien ihr wenig später in einem Brief ein gutes Zeugnis ausstellt.

So sehr hat diese kleine Gemeinde durch die Jahrhunderte Christen beeindruckt, daß immer wieder Gruppen innerhalb der Kirche sich den Namen geborgt haben: "Philadelphia". Auch die jüngere Geschichte unserer Gemeinde weiß darum. So sollte die vorgeschlagene Städtepartnerschaft allerdings nicht verstanden werden; sondern so, daß eine Gemeinde, die Erschütterungen und Glanzzeiten kennt, von einer anderen Gemeinde, die Erschütterungen und Glanzzeiten kennt, lernen kann. Wir können nach 100 Jahren von der Gemeinde in Philadelphia lernen, daß wir um die Zukunft der Gemeinde nicht fürchten brauchen. Die Frage nach der "Zukunftsfähigkeit" von Gemeinden unserer Benennung ist auf dem diesjährigen Bundesrat der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Deutschland gestellt worden und wird sogar von Kommissionen behandelt. Man darf sie wohl auch stellen, wenn es dabei um die Frage nach zeitgemäßen Strukturen innerhalb von Gemeinden geht, jedoch nicht als grundsätzliche Frage nach dem Überleben der Gemeinde. Denn für letzteres trägt keine Kommission die Verantwortung und Sorge, sondern Christus selbst, der um das weiß, was seine Gemeinde ausmacht und ihr Mühe bereitet, und der Türen in die Zukunft öffnet. "Siehe, ich habe vor dir eine Türe geöffnet ...". Jetzt schon gibt es Möglichkeiten, "Reich Gottes" zu erleben. Jetzt schon tun sich vor uns Türen auf. Nur - man muß den Mut haben, hindurch zu gehen. Die folgende Gemeindegeschichte kann auch so verstanden werden, nämlich als eine Geschichte von geöffneten Türen, von wahrgenommenen und an manchen Stellen vielleicht auch von verpaßten Gelegenheiten. Und auch die Gemeindegeschichte, die man fortschreiben wird, wenn die Gaeste nach der Geburtstagsfeier zum "100jährigen" abgereist sind, kann so verstanden werden - als eine Geschichte von sich öffnenden Türen. Wohlgemerkt: nicht die Gemeinde bricht sich mit Gewalt Türen in die Zukunft auf oder hat irgendwelche Schlüssel, welche die Zukunft öffnen. Keine evangelistischen Methoden schaffen das, keine Rezepte für moderne Gottesdienstgestaltung, kein soziales und politisches Engagement und keine einfühlsam inszenierte Anbetung. Diese Dinge mögen ihren Platz im Leben der Gemeinde haben, und sie schaffen uns vielleicht auch Zahlen aber keine Zukunft. Um Zahlen aber geht es nicht; sondern die kleine Gemeinde hat Zukunft, weil Christus die Tür in die Zukunft öffnet und den Weg weist.

Wir können weiterhin von den Christen in Philadelphia lernen, daß man in seiner Armut reicher sein kann, als man ahnt. Das Jubiläumsjahr könnte mit all den damit verbundenen Erinnerungen zu nostalgischem Schwelgen und möglicherweise auch zu pessimistischen Ausblicken führen. Sind die Glanzzeiten für diese Gemeinde nicht vorbei? Was stellen wir denn schon dar in der Hauptstadt? Eine Gemeinde auf dem zweiten Hinterhof, die seit Jahrzehnten kontinuierlich an Mitgliedern abgenommen hat. Aber da kann uns unsere Partnergemeinde in Philadelphia unterstützen. Denn von ihr können wir lernen, daß wir nicht unseren Möglichkeiten oder irgendwelchen Zahlen vertrauen, sondern dem Wort der Zukunft vertrauen, das Christus spricht. Und das ist ein lebendiges Wort und ein Wort, das lebendig macht, wo die Kraft klein ist oder nachläßt. "Du hast nur geringe Kraft, und hast doch an meinem Wort festgehalten ...". Klein an Zahl und finanziell schwach wäre es verständlich gewesen, wenn die Gemeinde in Philadelphia gesagt hätte: Die Welt ist groß und wir sind klein; darum hat es keine Bedeutung, was wir tun oder lassen. Man kann aus Angst oder Pessimismus offene Türen ignorieren oder zuschlagen. Aber die Gemeinde in Philadelphia ist dem Wort Jesu treu geblieben, dem Wort, das in die Zukunft weist und zu den Menschen. Durch sie können wir ermutigt werden, am Wort der Zusage Christi festzuhalten. Unsere "kleine Kraft" steht unter einer großen Verheißung. Und unser Glaube lebt vom Gehorsam gegenüber dieser Zusage. Unsere Gemeinde lebt nicht von unseren Erwartungen her, sondern vom Auftrag, von der Zusage und von der Erwartung Jesu Christi her. Jesus schickt seine Jünger zu Menschen, um seine Liebe weiterzugeben und ihn zu bezeugen, damit Menschen glauben.

Es lohnt sich treu zu sein und den langen Atem zu haben. Das ist etwas weiteres, was wir von den Christen in Philadelphia lernen können. Nach hundert Jahren Gemeindegeschichte darf man schon von Treue sprechen. Die Geschichte unserer Gemeinde, so wie sie auf den folgenden Seiten dargestellt wird, ist schließlich auch eine Geschichte des Ringens darum, was es heißt, dem Wort Gottes treu zu sein in der jeweiligen Situation. Dabei ist es keine Geschichte, die frei von Verirrungen ist. Christus sagt: Es lohnt sich, an meinem Wort festzuhalten und an der Gemeinde. Treue zum Wort Gottes ist nötig, weil es Orientierung gibt. Treue zur Gemeinde ist wichtig, weil unser Glaube Gemeinschaft braucht. Und Christus sagt seiner Gemeinde: Es ist geboten, daß ihr euren Platz in der Welt ausfüllt. Denn das Wort Jesu sendet in die Welt. Aus Treue zum Wort müssen wir unseren Platz in Berlin ausfüllen und in einer sich verändernden Umgebung immer wieder nach den Konkretionen unserer "Stellenbeschreibung" fragen. Und aus Treue zum Wort Jesu darf das Bleiben bei der Gemeinde nicht einfach zum Bleiben in der Gemeinde werden. Wir müssen hinaus, damit Menschen hineinkommen! Hinaus in die Richard-Wagner-Straße zu Straßenfesten, hinaus in die Altenheime und Krankenhäuser, in die Sitzungen im Rathaus, zu denen wir eingeladen werden oder an denen wir teilnehmen können, hinaus an die Orte, wo Menschen auf die lebensstiftende Kraft des Evangeliums angewiesen sind.

Christus sagt: Laßt euch nicht von der "Dynamik" anderer Mächte und Gruppen beeindrucken. Die jüdische Synagoge in Philadelphia war viel größer und einflußreicher als die Christengemeinde dort. Die heidnischen Tempel waren viel prächtiger als das Haus, in dem sie sich trafen. Es ist so leicht nach links und rechts zu schielen, um Orientierung zu gewinnen. Es ist so verführerisch, auf andere Kirchen und Gemeinden - besonders solche, die groß sind oder werden - zu sehen. Aber wir sollen auf Jesus sehen! Denn von ihm her haben wir einen Auftrag, den andere nicht ausrichten können. Dort wo wir sind - in Philadelphia und Berlin-Charlottenburg -, können nur wir in unserer eigenen Art die frohe Botschaft von seinem Kommen in die Welt weitersagen.

100 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Charlottenburg - unsere "Partnergemeinde" in Philadelphia kann uns daran erinnern, daß solch ein Jubiläum nicht nur Grund ist, zurückzuschauen und sich zu erinnern, sondern zugleich eine gute Gelegenheit ist, nach vorne zu sehen und Perspektiven zu gewinnen. Christus öffnet seiner Gemeinde Türen und hat es immer schon getan, auch wenn sie sich schon gar keine Zukunft mehr zutraut. Davon soll etwas in dieser Gemeindegeschichte deutlich werden - und davon, daß es sich lohnt, treu dem lebendigen WORT der Zukunft zu vertrauen.

Berlin im Oktober 1998 Dr. Frank Woggon, Pastor

Die Geschichte der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Berlin-Charlottenburg beginnt genau genommen nicht im Berlin des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, sondern im angelsächsischen Kulturkreis des beginnenden siebzehnten Jahrhunderts. In Europa und England war das siebzehnte Jahrhundert eine Zeit des Umbruchs. Der Westfälische Friede von 1648 markierte das Ende der Reformationszeit und läutete mit seiner begrenzten Anerkennung des Protestantismus eine neue Ära in der Geschichte des Christentums ein. Gewaltige Veränderungen fanden im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich statt - Veränderungen, die niemand vorhersagen, wenige beeinflussen und viele auch nicht verstehen konnten ... weiter mit: Der weite Weg der Baptisten nach Berlin

home Startseite


» Termine
» Wer wir sind
» Regelmäßige Angebote
» Ausstellungen
» Konzerte
» Treff.Punkt Jugend
» Spielhaus
» Streetwork
» Computerkurse
» Ostergarten
» Straßenfeste
» Diakonie
» Ferienwohnungen
» Vermietungen
» Partner

» Glossar
» Suche
» Kontakt
» Anfahrt
» Impressum

» Internes
» Webmail
Friedenskirche
EFG Berlin-Charlottenburg
(Baptisten)
Bismarckstraße 40
10627 Berlin

phone +49 (30) 341 49 74
fax +49 (30) 36 40 73 48
info@die-friedenskirche.de

Gemeindekasse
Kto.-Nr. 99503
BLZ 500 921 00
IBAN DE71 5009 2100 0000 0995 03
BIC GENODE51BH2
Spar- und Kreditbank Bad Homburg EFG


Die Baptisten in Berlin „Friedenskirche Charlottenburg“



 
Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Berlin-Charlottenburg • Baptisten • Bismarckstraße 40 • 10627 Berlin • http://www.die-friedenskirche.deinfo@die-friedenskirche.de